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Gemischte Gruppen in der Meerschweinchenhaltung

Die Gruppenzusammensetzung, die dem Rudelleben in freier Natur am nahesten kommt ist die Haltung
von so genannten "gemischten Gruppen".

In der freien Wildbahn bestehen die Gruppen aus einem Bock, den Weibchen und ihren Babys. Um diese Art der Gruppenhaltung bei unseren Meerschweinchen möglich zu machen, muss der Bock kastriert werden/sein, damit unkontrollierte Vermehrung und Inzucht verhindert werden.

Die Kombination Kastrat und eine oder mehrere Damen ist recht problemlos, auch wenn noch weitere Damen hinzukommen. Ein Kastrat versucht die Damenwelt zu beeindrucken und etwaige Streits zu schlichten. So dass bei mehreren sich streitenden Damen ein kastrierter Bock manchmal kleine Wunder bewirken kann.


Großgruppen mit mehreren Kastraten, geht das?

In vielen Büchern wird von der Haltung von mehreren Kastraten in einer Weibchengruppe abgeraten. Die meisten Kastraten können mit ihren ebenfalls kastrierten Artgenossen nicht viel anfangen. Die Anfeindungen können von Hetzjagden bis hin zu blutigen Beißereien gehen.

Wenn man jedoch einige Grundregeln beachtet, und Kastraten mit einem dementsprechenden Charakter besitzt, kann eine solche Gruppe über Jahre hinweg gut funktionieren. Es gibt jedoch keine Garantie dafür!

Folgende Grundregeln sollte man auf jeden Fall beachten:
  1. die Kastraten sollten nicht dominant sein
  2. auf jeden Kastraten sollten nach Möglichkeit zwei Damen oder mehr fallen
  3. der Gruppe viel Platz und ausreichend Rückzugsmöglichkeiten in Form von Hütten, Röhren oder ähnlichem zur Verfügung stellen, damit die Tiere sich aus dem Weg gehen können

Es gibt Gruppen, die auf Basis dieser Grundregeln funktionieren. Und das schon seit Jahren. Man sollte diese Gruppen jedoch nicht als Garantie für das Funktionieren der eigenen Gruppe werten. Jedes Meerschweinchen hat schließlich seinen eigenen Kopf.

Allerdings akzeptieren recht viele, nach Eintritt der Geschlechtsreife kastrierten Böcke so genannte "Frühkastraten". Diese Herren werden bereits vor Eintritt der Geschlechtsreife kastriert und werden daher anscheinend nicht als Konkurrent gewertet.


Frühkastration - Pro und Contra

„Frühkastration was ist das?“ werden sich jetzt viele Fragen. Diese Frage ist aber nicht ungewöhnlich, da es nur wenige Tierärzte gibt die diese Art der Kastration durchführen.

Böcke sind meist schon mit 4 - 5 Wochen geschlechtsreif und viele Tierärzte kastrierten erst, wenn die Böcke fast ausgewachsen sind, nämlich im Alter von 5 - 6 Monaten. Bis dahin muss das Böckchen von den Weibchen getrennt werden und hat nach der Kastration noch eine 6-wöchige Wartezeit vor sich, da ein Bock in dem Zeitraum noch lebensfähige Spermien in seinen Samenleitern hat und trotzdem noch Vater werden könnte.

Auf Grund dessen wurde die Methode der Frühkastration entwickelt und 1995 von G. Morgenegg veröffentlicht. Hierbei werden die Böckchen mit einem Gewicht von 200g - 250g im Alter von 2 - 3 Wochen, vor Eintritt der Geschlechtsreife, kastriert.

Pro Frühkastration

Dafür spricht dass man die Böckchen nicht mit 4 -5 Wochen von der Mutter und den Schwestern trennen muss, sondern dass die Böckchen weiterhin bei Mutter und Schwestern bleiben können. Man braucht als Halter also kein schlechtes Gewissen zu haben, wegen der Trennung und der Wartezeit nach der Kastration.

Im jugendlichen Alter verkraften die Tiere die Narkose auch viel besser, häufig sind die Böckchen nach 2 -4 Stunden wieder fit und dürfen zurück zu ihrer Familie. Auch ist das Gewebe bei nicht geschlechtsreifen Böckchen noch nicht richtig durchblutet und somit ist die Gefahr der Schwächung des Organismus wegen Auftreten von Blutungen auf ein Minimum reduziert.

Kontra Frühkastration

Dagegen spricht dass bei Böcken die Geschlechtshormone, speziell Testosteron, sehr wichtig für die Entwicklung der Tiere sind. Dieses Hormon wird aber erst bei Erreichen der Geschlechtsreife in größeren Mengen produziert, so dass bei Frühkastraten diese Hormonproduktion gänzlich fehlt und möglicherweise zu Fehlentwicklungen führen kann. Häufig soll es die Hinterbeine betreffen, diese entwickeln sich nicht korrekt und das Erscheinungsbild eines ausgewachsenen Frühkastraten entspricht nicht unbedingt dem "normalen" Erscheinungsbild. Morgenegg konnte bei seinen Studien jedoch keine Fehlentwicklungen im Vergleich mit nach Eintritt der geschlechtsreifen kastrierten Böcken feststellen.

G. Sachser jedoch schreibt dass Frühkastraten, wenn sie alleine gehalten werden bzw. nur in Gesellschaft eines Weibchens aufwachsen, im Alter Probleme damit haben, Konfliktsituationen aus dem Weg zu gehen. Böckchen allerdings, die in Gruppen aufwachsen, lernen mit Konfliktsituationen umzugehen.

Den wichtigen Prozess der sozialen Prägung sollten Jungtiere deshalb am besten in einer funktionierenden Gruppe verbringen. So lernen sie alle für ein geselliges Leben wichtigen Spielregeln.

Fazit

Eine Frühkastration kann in bestimmten Situationen die Lösung sein, nach der man gesucht hat. Allerdings sollte man sich das gut überlegen und die frühkastrierten Böcke auch in der Gruppe aufwachsen lassen, damit sie lernen sich zu behaupten.


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