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Ein weiteres Schweinchen zieht ein! Was muss ich beachten?

Es ist so weit - ein weiteres Meerschweinchen zieht ein! Doch soll es nun ein Männchen (Bock), ein Weibchen, ein erwachsenes oder junges Tier sein? 
Als erstes muss natürlich abgeklärt werden, ob "Trixi" nun tatsächlich ein Weibchen oder nicht doch ein Böckchen ist. Ist dieser Umstand einwandfrei geklärt, hat der entschlossene Halter die Wahl zwischen einer rein gleich-geschlechtlichen (Weibchen ODER Böcke), aber auch gemischt-geschlechtlichen Gruppe (ein Bock und ein/mehrere Weibchen).
Hier gibt es Hilfe bei der Geschlechtsbestimmung

Es steht nun fest, dass "Trixi" tatsächlich ein Mädel ist. Das Naheliegenste ist, ihr ein weiteres Weibchen dazuzugesellen. 

 

  • Weibchen-Gruppe
Diese Konstellation ist in Meerschweinchenkreisen am weitesten verbreitet.
Bei Meerschweinchen-Weibchen spielt das Alter des schon vorhandenen bzw. des Neuankömmlings meist kaum eine Rolle.
Man sollte allerdings vermeiden "charakterliche Extreme" in einen Stall zu setzen. Andernfalls wird das besonders "freche" das besonders "sanfte" Meerschwein mit Vorliebe traktieren. Es passiert zwar nicht wirklich etwas, jedoch wirkt das lange, durchdringende Abwehr-Fiepen des belästigten Schweinchens auf den Halter ziemlich entnervend!

In Weibchen-Gruppen geht es in der Regel recht ruhig zu, wobei das Hauptinteresse scheinbar dem Futter gilt. Das kann sich schlagartig ändern, sobald eine der Damen aufnahmebreit ist bzw. wird (ca. alle 14 - 17 Tage für ein paar Stunden). Dann kann es sein, dass eigentlich Bock-typisches Werbeverhalten (Knattern, wiegender Hintern, bedächtiger Stelzschritt) und Aufreiten zu beobachten ist. Meist von dem Weibchen, das "heiß" ist/wird.

 

Entpuppt sich "Trixi" jedoch als ein "Don Juan" herrscht meist zunächst Ratlosigkeit. Doch auch für diesen Fall gibt es eine Lösung: eine weiteres Böckchen z.B..

 

  • Bock-Gruppe:
Bei Böcken ist die Vergesellschaftung mit gleichgeschlechtlichen Artgenossen etwas komplizierter, aber selten unmöglich. Fingerspitzengefühl, Geduld und Beobachtungsgabe sind gefragt.
Am besten und einfachsten ist es, dem "alten" Bock ein Babyböckchen (4 bis 8 Wochen alt) zur Gesellschaft zu geben. 
Die Vergesellschaftung zweier erwachsener Böcke ist zwar auch hin und wieder möglich, dem Anfänger allerdings nicht zu empfehlen. Hier spielen der Charakter, Sozialisation (im besten Falle sind beide schon in einem Bockrudel aufgewachsen) und nicht zu letzt gegenseitige Sympathie eine wesentliche Rolle. Eine Kastration geschlechtsreifer Böcke ändert im Verhalten gegenüber anderen Böcken nichts, ist daher im Hinblick auf Verträglichkeit mit ihresgleichen überflüssig.
Das Zugesellen eines weiteren (Baby-) Bocks in eine schon gefestigte Erwachsenen-Gruppe ist nicht zu empfehlen, da dadurch das Gruppen-Gefüge meist gekippt wird und wieder ganz neu aufgebaut werden muß. Das kann damit enden, dass die bisherige Harmonie völlig zerfällt und Böcke, die sich vorher prächtig verstanden, sich nun bis aufs Blut bekämpfen!

Ganz wichtig ist es, dass eine Bockgruppe keinen Kontakt zu Weibchen haben darf. Schon gar  nicht um mal eben Nachbars Meerschweine-Dame "Fips" zu Nachwuchs zu verhelfen! Damit stellt man die Männerfreundschaft auf eine harte Probe, meist endet sie in bösen Beißereien.

Bock-Gruppen zeigen im Vergleich zur Weibchen-Gruppe mehr Verhaltensweisen, wirken wesentlich aufgeweckter.
Es wird imponiert, geworben und viel "erzählt", es werden Rennen veranstaltet und  kleine Schein-Gefechte ausgetragen. Oft sind es gerade die Böcke, die durch ihr "mutiges" Verhalten schnell handzahm werden und von sich aus auch gerne mal am Köpfchen kraulen lassen.

 

Eine weitere, sehr natürliche und interessante (für Tier und Halter) Haltungsform bietet sich mit der Vergesellschaftung beider Geschlechter:

 

  • gemischte Gruppe:
Das optimalste ist  natürlich eine gemischte Gruppe (ein kastrierter Bock und ein/mehrere Weibchen). Hier ist immer etwas los! Das gesamte Verhalten und sämtliche Lautäußerungen, wozu ein Meerschweinchen fähig ist, können beobachtet/vernommen werden.
Zickige Weibchen werden verträglich, rauflustige Böcke charmant und nachsichtig.

Eine wichtige Vorraussetzung dieser Gruppenhaltung ist natürlich, dass der Bock schon Wochen (4-6), bevor er zu dem/n Weibchen gesetzt wird, kastriert worden ist! Andernfalls kommt es zu unkontrollierter Vermehrung der Meerschweinchen, die weder der Gesundheit der Tiere (speziell natürlich der Weibchen) noch dem Halter (kostet jede Menge Zeit, Platz und Geld) zuträglich ist!
Auch die kontrollierte Zucht ist gut zu überdenken! Junge Meerschweinchen sind selten so leicht unterzubringen, wie der begeisterte Halter vorher denkt. Auch wenn es sich nur um einen einzigen Wurf handelt. Viele Dinge sind vorher zu bedenken und zu erlernen!
Nebenbei: Mit einer guten, gesunden  Zucht ist kein Geld zu verdienen!

Ein weiterer Bericht zum Thema:
"Gemischte Gruppen in der Meerschweinchenhaltung" und "Frühkastration - Pro und Contra"


Das Schweinchen ist da! Wie gehe ich vor?

Meist wird mit der "Hauruck-Methode" vergesellschaftet. Ist normalerweise problemlos und erspart den Meerschweinchen weiteres Alleinsein:

  • Der Stall des alteingesessenen Meerschweinchens wird gesäubert und nach Möglichkeit neu eingerichtet. Häuschen mit nur einem Eingang sind ungeeignet, da dort für das flüchtende Schweinchen in die Enge getrieben werden, nicht ausweichen kann. Wird ein Baby-Meerschweinchen zugesetzt, ist eine Röhre, in das nur das Kleine hinein passt von Vorteil. So kann es sich den anfänglichen Nachstellungen des "alten" entziehen.
  • Futter (Heu, Gemüse-Stückchen, etwas Gras, frische Knabberäste etc.) in Stall und Auslauf in kleinen Portionen an verschiedenen Stellen verteilt sorgt für die nötige Ablenkung.

Gequieke, Rennerei und evtl. Aufreiten ist anfangs völlig normal, legt sich jedoch bald. Auch gelegentliches Zähneklappern und mit aufgerissenem Mäulchen drohen ist kein Grund zur Beunruhigung.
Wenn die Meerschweinchen jedoch beginnen sich ernsthaft zu bekämpfen (richtiges Verbeißen, fliegende Haarbüschel) müssen sie sofort wieder getrennt werden. Dies kann bei erwachsenen Meerschweinchen passieren, meist nur zwischen geschlechtsreifen Böcken, sehr selten zwischen Weibchen bzw. Weibchen und Bock. Bei den letzten beiden Fällen muss die Vergesellschaftung etwas behutsamer vorgenommen werden (Beschreibung wie folgt). Geraten jedoch zwei erwachsene Böcke derart aneinander, haben weitere Versuche kaum Sinn.

Ist also das eine  Meerschweinchen etwas schwierig dem anderen gegenüber (ständiges Jagen und Zähneklappern ohne Unterlass), geht man folgendermaßen vor:

  • Zunächst wird die/der Neue einmal in einen eigenen Stall, allerdings Gitter an Gitter neben den "alten"  untergebracht. Das gibt dem neuen Mitbewohner zum einen die Möglichkeit, sich in Ruhe an die neue Umgebung zu gewöhnen, zum anderen können die beiden schon einmal Nasenkontakt zueinander aufnehmen.
  • Der nächste Schritt ist der Käfig-Tausch. "Trixi" bzw. "Don Juan" wird in den neuen Stall, das neue Meerschweinchen in den alten Stall gesetzt. Die Streu wird zu dieser Gelegenheit nicht erneuert. So können sich beide mit den Geruch des anderen vertraut machen. 
  • Am folgenden Tag wird der gemeinsame Auslauf eingerichtet: diverse Hindernisse (dicke Äste, Kartons mit mind. zwei Öffnungen etc.) und Leckerchen an verschiedenen Stellen. Die Ställe bleiben geöffnet, so dass die Schweinchen nach Belieben in den eigenen/fremden Stall ein und aus gehen können.
  • nach Möglichkeit sollten die beiden Parteien nicht wieder getrennt werden, da nach jeder Trennung das Kennen lernen von vorne beginnt


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